Im Fokus der Förderung
Es gibt Momente im Kunstbetrieb, in denen sich Entwicklungen nicht laut ankündigen, sondern beinahe unmerklich verdichten. Die Discovery Art Fair ist ein solcher Ort. Zwischen aufstrebenden Positionen, neuen Sammlerimpulsen und einer bewusst offenen Zugangsschwelle zeigt sich hier, was Gegenwartskunst heute leisten kann: Vielfalt, Tiefe und neue Perspektiven. Die Winter Stiftung begleitet seit vielen Jahren Künstlerinnen auf ihrem Weg – nicht im Sinne kurzfristiger Sichtbarkeit, sondern als langfristige Förderung, die Entwicklung ermöglicht. Vertrauen, Kontinuität und die Überzeugung, dass künstlerische Qualität Zeit braucht, stehen im Zentrum dieser Arbeit. In diesem Jahr stehen zwei Positionen im Fokus, die exemplarisch für diese Haltung sind: Arbeiten der Künstlerinnen Corinna Zieleke und Jana Dettmer.
Der weibliche Blick – eine notwendige Erweiterung
Was beide Künstlerinnen verbindet, ist weniger eine formale Nähe als eine gemeinsame Haltung. Ihre Arbeiten entziehen sich der schnellen Einordnung. Sie eröffnen Räume, statt sie festzulegen. In einer Zeit, in der Bilder oft auf unmittelbare Wirkung ausgerichtet sind, setzen Zieleke und Dettmer bewusst auf Prozess, Wahrnehmung und die Dauer des Blicks.
Der weibliche Blick wird hier nicht als Gegenentwurf verstanden, sondern als Erweiterung. Er schafft Raum für Intuition, für Mehrdeutigkeit – und für Erfahrungen, die sich nicht sofort erschließen, aber gerade darin ihre Wirkung entfalten.

Corinna Zieleke – Das Ereignis des Augenblicks
Bei Corinna Zieleke zeigt sich diese Haltung als ein lebendiges Zusammenspiel von Kontrolle und Zufall. Ihre Arbeiten, auf der Messe vertreten durch die Galerie Grevy, entstehen in einem offenen Prozess.
„Das Wechselspiel zwischen Idee und Zufall, Intuition und Intention fasziniert mich immer wieder – ich schaue zu und greife ein, es zählt der Moment“, beschreibt sie ihre künstlerische Praxis.
Ihre Werke sind dynamische Gefüge aus Farben, Verläufen und Überlagerungen. Raum entsteht nicht durch Konstruktion, sondern durch Bewegung. Es sind keine abgeschlossenen Kompositionen, sondern Momentaufnahmen eines fortlaufenden Geschehens – Bilder, die dazu einladen, sich Zeit zu nehmen und genauer hinzusehen.

Jana Dettmer – Farbe als Erfahrung
Jana Dettmer verfolgt einen anderen, konzentrierten Zugang. Sie ist im Rahmen ihrer Produzentengalerie Kunstraum 268 vertreten.
Bei ihr tritt die Farbe selbst in den Mittelpunkt – als eigenständige Wirklichkeit.
„Bei meiner Kunst geht es oft um nichts als die pure Farbe, um das Werk als unabhängige Plattform, als Illusionsraum“, sagt Dettmer.
Ihre Arbeiten sind Farbräume im eigentlichen Sinne – energetische Felder, die weniger gelesen als erlebt werden wollen. Die Betrachtenden werden eingeladen, einzutreten, sich zu orientieren und ihre eigene Wahrnehmung zu reflektieren. Farbe wird zur Resonanzfläche für Emotion, Offenheit und individuelle Erfahrung.
Förderung als gelebte Kontinuität
Die Entwicklung beider Künstlerinnen zeigt, was langfristige Förderung bewirken kann. Die kontinuierliche Begleitung durch die Winter Stiftung schafft Freiräume – für künstlerische Eigenständigkeit, für Experimente und für nachhaltige Entwicklung. Gerade in einer Kunstwelt, die oft von Beschleunigung geprägt ist, gewinnt diese Form der Unterstützung an Bedeutung. Sie ermöglicht es, Prozesse zu vertiefen und künstlerische Handschriften zu festigen.
Universales Anliegen
Die Präsentation auf der Discovery Art Fair Cologne 2026 ist bewusst als Zwischenstation der Künstlerinnen gedacht.
Bereits im Mai (14.–17. Mai 2026) werden Corinna Zieleke und Jana Dettmer gemeinsam mit der Künstlerin LEONI im Rahmen eines Pilotprojekts der Artforum Culture Foundation Hellas auf der Art Thessaloniki 2026 präsentiert. Unter dem Titel „New Feminism“ wird dort ein erweitertes Verständnis weiblicher künstlerischer Positionen verhandelt – ein Kontext, der die Arbeiten der Künstlerinnen in einen internationalen Dialog stellt und neue Perspektiven eröffnet.
Ausblick
Gezeigt wird weniger ein abgeschlossenes Ergebnis als eine Bewegung.
Zieleke und Dettmer belegen auf unterschiedliche Weise, wie Malerei heute gedacht werden kann: als Prozess, als Raum, als Erfahrung. Ihr Blick erweitert das Verständnis dessen, was Kunst sein kann – leise, aber nachhaltig.
Gerade im internationalen Kontext wird deutlich, welches Potenzial in diesen Positionen liegt. Für Sammler:innen, Kurator:innen und ein wachsendes kunstinteressiertes Publikum eröffnen sich neue, spannende Perspektiven.
Discovery Art Cologne 2026
Corinna Zieleke bei Grevy Art, Stand B1
Jana Dettmer bei Kunstraum 268, Stand A7
23. - 26. April 2026
XPOST
Gladbacher Wall 5, 50670 Köln
Art Thessaloniki
14. - 17. Mai 2026
TIF–HELEXPO Messegelände
154 Egnatia Street, 546 36 Thessaloniki
LS/
