Die Winter Stiftung dankt allen Künstlerinnen und Künstlern, Sammlerinnen und Sammlern, Familien und Fördernden, die ihr Kunstwerke, Nachlässe oder finanzielle Mittel anvertraut haben. Ihre uneigennützige Unterstützung macht es möglich, Kunst zu erforschen und für kommende Generationen zu erhalten.
Eine Sammlung ist mehr als die Summe ihrer Werke. Sie ist eine Perspektive auf Kunstgeschichte – und zugleich eine Einladung, diese immer wieder neu zu betrachten.
Kunstsammlungen entstehen auf sehr unterschiedliche Weise. Manche wachsen aus persönlichen Begegnungen, andere aus einem klaren kunsthistorischen Interesse. Manche folgen einer Epoche, einem Medium oder einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern; andere entwickeln ihr Profil erst im Laufe der Zeit. Gerade darin liegt eine besondere Qualität des Sammelns: Eine Sammlung kann offen bleiben und dennoch eine Haltung besitzen.
Für die Winter Stiftung bedeutet Sammeln deshalb nicht, einen Kanon abzubilden oder eine möglichst lückenlose Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts zu entwerfen. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Versuch, eine eigenständige Sicht auf Moderne und Gegenwart zu entwickeln.
Welche künstlerischen Positionen haben unsere Wahrnehmung geprägt? Welche wurden übersehen oder erst spät erkannt? Welche Verbindungen entstehen zwischen unterschiedlichen Generationen, Ländern und Medien? Und was verändert sich, wenn Werke aus vertrauten kunsthistorischen Ordnungen herausgelöst und neu miteinander in Beziehung gesetzt werden?
Eine Sammlung kann auf solche Fragen keine endgültigen Antworten geben. Aber sie kann sie sichtbar machen.

Sammeln heißt auswählen
Jede Sammlung beruht auf Entscheidungen. Mit der Zeit entsteht aus einzelnen Erwerbungen ein Zusammenhang: Künstler treten miteinander in Dialog, Themen wiederholen oder widersprechen sich, historische Linien werden sichtbar. Die Winter Stiftung versteht ihre Sammlung als einen solchen offenen, aber strukturierten Zusammenhang. Sie soll unterschiedliche Medien und künstlerische Ausdrucksformen zusammenführen und bewusst auch Positionen berücksichtigen, die außerhalb vertrauter kunsthistorischer Hauptlinien liegen. Entscheidend ist nicht allein die Bekanntheit eines Namens, sondern die Frage, was ein Werk zum Verständnis seiner Zeit, einer künstlerischen Entwicklung oder eines gesellschaftlichen Zusammenhangs beitragen kann.
Gerade das 20. und 21. Jahrhundert lassen sich kaum aus nur einer Perspektive erzählen. Politische Umbrüche, neue Medien, Migration, gesellschaftliche Veränderungen und internationale Begegnungen haben Kunst auf sehr unterschiedliche Weise geprägt. Eine Sammlung, die diese Zeit betrachtet, sollte solche Widersprüche nicht glätten, sondern sichtbar machen.
Eine Sammlung als Grundlage für Forschung
Werke werden nicht nur bewahrt und präsentiert. Sie können Ausgangspunkt für Forschung sein. Archive, Publikationen und persönliche Netzwerke eröffnen Zusammenhänge, die weit über das einzelne Objekt hinausreichen. Neue Erkenntnisse können bestehende Schwerpunkte verändern, Lücken sichtbar machen und Werke neu miteinander in Beziehung setzen. Forschung beginnt deshalb nicht erst, wenn eine Sammlung abgeschlossen ist. Sie begleitet ihren Aufbau.
Die Winter Stiftung versteht ihren Bestand daher nicht als statisches Archiv, sondern als Arbeitsgrundlage für kunsthistorische Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Leihgaben und den fachlichen Austausch mit Künstlern, Kuratoren, Wissenschaftlern und Institutionen.
Offen wachsen – gemeinsam bewahren
Als gemeinnützige Stiftung kann die Sammlung auf unterschiedlichen Wegen wachsen: durch gezielte Erwerbungen ebenso wie durch Schenkungen und Zustiftungen von Kunstwerken, Vor- und Nachlässe, Archive sowie finanzielle Zuwendungen.
Darin liegt eine besondere Form bürgerschaftlicher Kulturteilhabe. Wer ein Kunstwerk, einen Bestand oder einen Nachlass in eine gemeinnützige Stiftung einbringt, ermöglicht, dass etwas bislang Privates Teil eines größeren kulturellen und wissenschaftlichen Zusammenhangs wird. Kunst wird auf diese Weise nicht nur bewahrt, sondern für Forschung, Vermittlung und Öffentlichkeit neu erschlossen.
Eine solche Zuwendung weist zugleich über die Gegenwart hinaus. Mit ihr kann sich auch die Erinnerung an den Menschen verbinden, der Kunst gesammelt, bewahrt oder ihre Erforschung ermöglicht hat. Seine Interessen, seine Haltung und sein kulturelles Engagement bleiben mit den Werken und ihrer weiteren Geschichte verbunden.
Stiften und Schenken können so eine sehr persönliche Form des Weitergebens sein: Das eigene Engagement wirkt über die eigene Lebenszeit hinaus fort und wird Teil eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses.
Dies gilt für einzelne Kunstwerke ebenso wie für größere Werkgruppen, Vor- und Nachlässe oder Archive. Mit ihnen werden häufig nicht nur Objekte übergeben, sondern auch Erinnerungen und persönliche Zusammenhänge. Sie können neue Forschungsfelder eröffnen, vergessene Kontexte sichtbar machen und bereits vorhandene Werke in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Auch Geldspenden und finanzielle Zustiftungen sind ein wesentlicher Teil dieses Engagements. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, Kunst wissenschaftlich zu bearbeiten, zu dokumentieren, zu erhalten, auszustellen und und zusätzlich selbst neue Projekte anzustoßen und zu begleiten.
So verstanden sind das Stiften von Kunst, das Überlassen eines Nachlasses und die finanzielle Förderung unterschiedliche Ausdrucksformen derselben Haltung: Verantwortung für Kultur zu übernehmen und aktiv an ihrer Zukunft mitzuwirken.
Denn eine lebendige Sammlung erzählt nicht nur, was Kunst gewesen ist. Sie schafft eine Grundlage dafür, immer wieder neu zu fragen, was Kunstgeschichte sein kann – und eröffnet jedem Einzelnen die Möglichkeit, an ihrer Bewahrung und Weiterentwicklung über die eigene Gegenwart hinaus mitzuwirken.
