NOT FULLY HUMAN, NOT HUMAN AT ALL

Not Fully Human, Not Human at All

(c) kunstverein-in-hamburg-saddie-choua - Not Fully Human, Not Human at All

Ausstellung im Kunstverein in Hamburg
24.10.2020 - 24.1.2021

Teilnehmende Künstler*innen: Saddie Choua, Valentina Desideri , Denise Ferreira da Silva , Arely Amaut, Nilbar Güreş, Ibro Hasanović, Jelena Jureša, Doruntina Kastrati, Kaltrina Krasniqi, Pedro Neves Marques, Christian Nyampeta, Daniela Ortiz, Monira Al Qadiri, Lala Raščić und Kengné Téguia
Die Gruppenausstellung Not Fully Human, Not Human at All im Kunstverein Hamburg beschreibt aktuelle Dehumanisierungsprozesse. Unter Dehumanisierung wird die Entmenschlichung und damit Herabwürdigung von Menschen durch andere Menschen verstanden, die sich in der Diffamierung und Ausgrenzung des Anderen äußert. Strenge Einwanderungspolitik, neue Formen des Nationalismus, eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung, neoliberaler Druck auf staatliche Wirtschaftspolitik, die Erosion der Rechte ausländischer Arbeitskräfte trifft auf eine Überhöhung der kulturellen und moralischen Instanz Europas. Parallel zu diesen Entwicklungen werden stillschweigend die Kriterien, wer überhaupt als Mensch zu betrachten sei, neu formuliert. Europa dient hier als geografischer und kultureller Rahmen für die Reflexion von Dehumanisierungsentwicklungen, die derzeit vieles Handeln prägt, das innerhalb der europäischen Grenzen von Menschen im Namen der „Menschlichkeit“ verübt werden.  
Diese Ausstellung findet zu einer Zeit statt, in der ein weltweiter Ausnahmezustand im Zusammenhang mit COVID-19 den ohnehin unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung als ein grundlegendes Menschenrecht verschärft haben; und sie geht einher mit einer Zunahme rechtsextremer Politik, die von entmenschlichenden Gewalttaten inspiriert scheint. Unter diesen aktuellen Bedingungen erscheint es dringend erforderlich, diese Entwicklungen bewusst wahrzunehmen und unsere Kritik im Rahmen künstlerischer Produktion und in Kunstinstitutionen zum Ausdruck zu bringen.

Kuratorinnen: Nataša Petrešin-Bachelez, Bettina Steinbrügge. Kuratorische Beratung: Bruno Leitão, Monica de Miranda, HANGAR (Lisbon, Portugal), Donjetë Murati, Ares Shporta, Lumbardhi (Prizren, Kosovo), João Mourão, & Luís Silva, (Kunsthalle Lissabon), Emilie Villez, KADIST (Paris), Pieternel Vermoortel, Netwerk (Aalst, Belgium).
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit KADIST, wo in 2021 eine Adaption der Ausstellung präsentiert wird.
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt.

Klosterwall 23 - 20095 Hamburg
SOFT OPENING
23.10.2020, 12-20 Uhr
Der Eintritt ist frei 

PERFORMANCE
23.10.202, 18 Uhr
Kengné Téguia - Origins

KÜNSTLER*INNENFÜHRUNG & GESPRÄCH 
24.10.2020, 15 Uhr 

KURATORINNENFÜHRUNG 
29.10. / 12.11. / 3.12. / 14.1. / 17 Uhr
Mit Bettina Steinbrügge

ONLINE-SYMPOSIUM
Mit u.a. Francisco Godoy Vega, Nina Möntmann, Jelena Petrović, Nora Sternfeld, allen Projektpartner*innen und teilnehmenden Künstler*innen 

Session I, 3.11.2020, 17-20 Uhr
Session II, 10.11.2020, 17-19 Uhr
Session III, 17.11.2020, 17-19 Uhr
Session IV, 24.11.2020, 17-19 Uhr

SCREENING
26.11.2020, 14.1.2021, 18.30 Uhr
Pedro Neves Marques – A Mordida 

 

Heinz Zolper-Ausstellung in der Horbach Kunsthalle

Heinz Zolper - ein Protagonist nicht nur der rheinischen Kunstszene

Heinz Zolper zählt zu den wichtigen Künstlern der deutschen Avantgarde. Die Winter Stiftung ist dem Werk des Künstlers seit vielen Jahren verbunden. Mit anderen Exponenten der zeitgenössischen Kunst, mit Sigmar Polke oder auch mit Martin Kippenberger, eint ihn der Sinn für das Groteske,  frecher Witz,  heitere Leichtigkeit und tiefer Ernst. Die Gleichzeitigkeit von „High“ und „Low“ sind für Zolper stets selbstverständlich. Heinz Zolper hat seine eigenen Ausdrucksmittel gefunden, unverkennbar und  rätselhaft zugleich. Da ist es beinahe selbstverständlich, dass er oftmals als ein umstrittener Künstler gesehen wird, jemanden, der sich dem Kunst- und Kulturbetrieb nicht bedingungslos anpasst. Was aber nichts als Konfrontation, Aktion und das Unmögliche wagen ist sonst die Aufgabe eines Künstlers?  Der Betrachter ist eingeladen zwischen den Zeilen zu lesen bzw. in die Bilderwelt einzutauchen. Mit etwas Glück widerfährt ihm dann etwas wonach wir alle streben mögen: Wahrheit, Glück und Verständnis für uns selbst und andere  In diesem Sinne sind Zolpers Werke nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern auf ewig zeitlos. 

Heinz Zolper - Ausstellung in Köln

(c) Heinz Zolper - Café des Südens

Heinz Zolper-Ausstellung in der Horbach Kunsthalle Köln

Vom 30. August bis zum 11. Oktober 2020 zeigt die Kölner Stiftung Michael Horbach Werke des Malers Heinz Zolper aus der Sammlung. Michael Horbach war früher als Galerist enger und langjähriger Förderer und Freund des Malers, dem er nun in den Räumen seiner Stiftung eine Ausstellung zu dessen 70. Geburtstag ausrichtet. Kuratiert wird die Ausstellung von Gérard Goodrow. In den 1970er Jahren wurde Heinz Zolper in der rheinischen Kunstszene mit dem Label „Palazzo“ bekannt – so nannte er seine Künstlerzeitschrift (in der „Kunstforum“-Mitarbeiter Jürgen Raap 1978 seinen allerersten kunsttheoretischen Text veröffentlichte), eine Galerie und ein Theater. Das war ein multi-mediales Konzept, das Heinz Zolper auf die Aussage „Alles ist Malerei“ focussierte – als Reflex auf Andy Warhols Diktum „Alles ist schön“. So umfasst Zolpers Gesamtwerk „neben den Gemälden auch Zeichnungen, Collagen, Druckgrafiken, Skulpturen und Objekte… Die Malerei als Gesamtkunstwerk. Das beinhaltet aber auch den Künstler selbst. In einer Reihe von Selbstporträts aus 1984/85 beispielsweise stellt der Künstler sich selbst als Vase, als Ente, oder als ‚das Gesetz‘, aber auch als Farbe dar – neben der Leinwand die wichtigste Ingredienzien…“ Dazu bemerkt Kurator Goodrow:

„Die unterschiedlichsten, teilweise höchst widersprüchlichen Motive und Malstile begegnen sich auf Leinwänden und anderen Bildträgern. Gestische Malerei trifft auf Fotorealismus, hehre Kunst auf Kunsthandwerk, existenzielle Philosophie auf heitere Kinderbücher. Es handelt sich in gewisser Weise um eine Art Sampling aus der Kunstgeschichte, aus den Religionen der Welt, aus Sagen und Märchen, aus Politik und Geschichte, aber auch aus der trivialen Alltagskultur – ‚Volkskunst‘ im weitesten Sinne des Begriffs. Alles und nichts ist wichtig, alles und nichts ist gleichwertig, alles und nichts ist ’schön‘ – oder mindestens bildwürdig…“ http://www.michael-horbach-stiftung.de

(c) Beitrag von Jürgen Raap vom 12. August 2020 in: Kunstforum  International 

HUMOR NACH #METOO

BEING LAID UP WAS NO EXCUSE FOR NOT MAKING ART

(c)Kunstverein Hamburg - Lerato Shadi

(c) Kunstverein Hamburg

Kunstverein in Hamburg
in Zusammenarbeit mit dem Kurzfilm Festival Hamburg      

Teilnehmende KünstlerInnen: Sarah Abu Abdallah, Pauline Curnier Jardin, Katrina Daschner, Nazli Dincel, Cordula Ditz, VALIE EXPORT, Chris Hegedus, Luise Helm, Fabian Hesse, Kerstin Honeit, Sarah Jacobson, RP Kahl, Matt Kazmann, Helene Kummer, Dörte F. Meyer, D.A. Pennebaker, Laure Prouvost, Jennifer Reeder, Kathrin Resetarits, Pipilotti Rist, Isabella Rossellini, Susanne Sachsse, Jessica Swale, Athina Rachel Tsangari, Tatjana Turanskyj, Saralisa Volm und Vanessa Stern. Kuratorin: Bettina Steinbrügge.

Wie die meisten Bereiche unseres Lebens hat auch die Kunst- und Kulturszene in den vergangenen Monaten erheblich unter der Corona-Krise gelitten und tut es noch. In einer Umbruchphase wie dieser liegt allerdings auch die Chance begründet, die eigenen Arbeitsweisen zu überdenken und neue Möglichkeiten der Kunstpräsentation zu entwickeln.
In Zusammenarbeit mit dem Kurzfilm Festival Hamburg werden als deutliches Zeichen und erlebbares Gefühl das Zusammenrücken und das Zeigen von Solidarität aller Kunstschaffenden vermittelt. Der Kunstverein in Hamburg setzt mit der experimentellen Ausstellungsserie BEING LAID UP WAS NO EXCUSE FOR NOT MAKING ART ein solches Zeichen der Solidarität: In zwei Kapiteln sind ProtagonistInnen aus verschiedenen Bereichen der Hamburger Kunst- und Kulturszene über den Sommer eingeladen, ihre Arbeiten gemeinsam mit vielen internationalen KollegInnen zu präsentieren. Die Besucher können sich auf überraschende Einblicke in dieses aktuelle Kunstgeschehen freuen.

HUMOR NACH #METOO  27.6. – 11.10.2020

Das erste Kapitel der Ausstellungsserie fragt nach der Notwendigkeit eines Kulturwandels, ohne sich jedoch Dogmen zu verschreiben. Dreh- und Angelpunkt ist die ganz simple Frage: Was ist eigentlich lustig, und wie geht es weiter? - Humor nach #MeToo: Worüber wollen wir lachen? Was brauchen wir? Wie möchten wir miteinander leben und was bedarf es dafür? Gerade auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen stellt sich diese Frage neu. In Installationen, Filmvorführungen, Performances und Gesprächen über verschiedene Generationen hinaus sollen gemeinsam Gesellschaftsformen diskutiert werden.

CORONA SOUND SYSTEM  22.8. – 11.10.2020

Die experimentelle Ausstellung Corona Sound System lässt die Hörerfahrung in den Vordergrund treten und verändert dabei auch das visuelle Erleben. Was ist/kann der Ausstellungsraum im Kontext von Sound? Im leeren Raum mit weißen Wänden in einer funktionierenden Ausstellungsarchitektur gibt es verstreut im gebotenen Abstand Sitzgelegenheiten.
Im Corona Sound System arbeiten u.a. Schwabinggrad Ballett & Arrivati an einer Audio-Installation, die Positionen, Stimmen, Mythen und Analysen aus dem globalen Süden und den sozialen Peripherien komponiert. Das Hamburger Kollektiv aus Kulturschaffenden, AktivistInnen, People of Color und Geflüchteten erörtert mit Vertrauensleuten weltweit die Pandemie. Es geht um Fragen wie: Was ist eigentlich besorgniserregender als das Virus? Und warum? Wer macht sich das Virus zunutze? Wer sind die Experten für das Virus? Was macht sie zu Experten? Was wird das neue Normal sein?  Das ist der Ausgangspunkt, dem andere Töne folgen, die in verschiedene Richtungen senden, die zum Nachdenken anregen oder Aufrütteln möchten. Dies soll mit gebotener Leichtigkeit präsentiert werden. Vielleicht kann auch getanzt werden.

Viele Sichtweisen – Eine Welt

Joe Brockerhoff - Ost West - painting

(c) Joe Brockerhoff - Ost West - painting

Bedeutung und Schutz des Anderssein und Andersdenkenden

Unsere Welt lebt von der Vielfalt. Wo Monokulturen entstehen, nutzen sie vorerst wenigen, zerstören aber unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen. Möglich werden Verwerfungen in der Natur wie im sozialen Leben durch ein Ungleichgewicht gebündelter Kraft. Möchte man Missständen begegnen oder diese beseitigen, so braucht es die Beachtung eines Gleichgewichts im Spiel der Mächte.

Auf die Machtverhältnisse der Natur haben wir wenig Einfluss, aber unser eigenes Leben können wir positiv oder negativ beeinflussen. So ist die Welt der Wirtschaft und Politik durch Regeln und Regelbrüche definiert, mit der Folge nicht nur von prosperierenden Gesellschaften, sondern auch von Klimawandel, Kriegen und Migrationsbewegungen. Wir können etwas ändern, aber nur wenn sich Bewusstsein und daraus folgernd Verhältnisse grundlegend ändern.

Diese Erkenntnisse treffen logischerweise auch auf die Welt der Kunst zu. Kunst und das Kunstsystem führen ja kein Eigenleben, sondern sind immer auch Spiegel der sie umgebenden Natur und Gesellschaft. Der Boom des Kunstmarktes, die Überbetonung von einzelnen Protagonisten, die zum Asset zu verwahrlosen drohen, hat vielen Kunstfreunden ein verzerrtes Bild der Kunstwelt vorgeführt. Will Kunst seine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe erfüllen können, so müssen KünstlerInnen endlich als selbstverständliche, weil notwendige Partner im gesellschaftlichen Gefüge wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Ohne Kunst und Kultur ist eine Entwicklung der Gesellschaft - und damit auch der Wirtschaft - letztlich unmöglich. Das Notwendige haben und nutzen wollen, es aber dennoch nicht wertschätzen, spiegelt dabei letztlich ein Grundproblem aller gängigen Gesellschaftssysteme. So wichtig es manchmal sein kann, sich auf etwas zu fokussieren, ohne Vielfalt ist alles nichts.

So wie eine Monopolisierung des Kunstgeschehens im Hinblick auf einige wenige "Auserwählte" stattfindet, so ist die Wahrnehmung von Kunst auch durch ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht geprägt. Jene Phantasie, die erforderlich ist Neues zu schaffen wird in erster Linie dem männlichen Geschlecht zugeschrieben und in zweiter Linie am Marktwert orientiert. Frauen hingegen bleibt bis heute maximal der Status als Musen oder vielleicht als Künstlerförderer zugestanden. Frauen, deren Werk es dennoch an die Öffentlichkeit schafft, bilden noch immer die Ausnahme. Wenn Ihnen Talent zugebilligt wird, dann kann das aber nicht mit rechten Dingen vorgegangen sein.

Wenn man anerkennt, dass ein Kunstwerk bestenfalls Spiegel der Seele ist, so gilt es auch zu beachten, dass Kunst Spiegel der Gesellschaft ist. Diese schließt selbstverständlich die inneren und äußeren Strukturen mit ein. Nicht nur in der Kunstverwaltung, sondern auch im Bereich der Künstlerschaft selbst ist Gleichberechtigung leider aber immer noch terra incognita. Will man gleiche Berechtigung zur Teilnahme am Leben, so ist ein erweitertes Bewusstsein und vor allem Solidarität in der Welt der künstlerischen Einzelkämpfer erforderlich. Sollte es nicht ein Zeichen von Freiheit und Vernunft sein, dass jedes Individuum seinen eigenen Blick auf die Welt entwickeln und vorstellen kann?

Gottseidank gibt es Ansätze gesellschaftlicher Bewegung und auch vereinzelt Künstler, die die Überzeugung von Gleichberechtigung als Prämisse einer sozialen Gemeinschaft offen vertreten. So ruft beispielhaft Michael Jansen, Urgestein der neuen Avantgarde,  in seiner Ausstellung in den Räumen von KunstStücke by Dettmer | art projects zur "Zerstörung der Erwartungshaltung" auf und möchte dazu anregen, verkrustetes Denken weiter aufzubrechen. Sein Künstlerfreund Heinz Zolper, Maler und multimedialer Akteur, engagiert sich über Jahrzehnte für ein Miteinander in "Liebe und Respekt" und betreibt hierzu - nicht ohne satirischen Unterton - sogar einen "Damen-Kult". Damit rückt er die Bedeutung des Weiblichen an sich in den Vordergrund und mahnt zur Verpflichtung des Schutzbedürftigen. Erkennbar wird bei beiden Künstlern die pädagogische Notwendigkeit sich einer grenzwertigen Gesellschaft und einem asozialen Verhalten entgegenzustemmen und vorbildhaft Wege aufzuzeigen. So besteht das grundlegende Wesen einer freien Gesellschaft gerade im Miteinander der Differenzierung wie auch der Übereinstimmung. Insoweit verbietet sich in einer offenen Gesellschaft a priori jedwede Bevorzugung aufgrund natürlicher oder künstlicher Unterschiede.

Menschen benötigen aber nicht nur Kunst und Kultur zum Menschsein, sondern KünstlerInnen brauchen den ungehinderten Zugang zur Öffentlichkeit gleichfalls als Lebensgrundlage. Das Recht auf künstlerische Entfaltung bedingt auch das Recht in Verbindung zu treten und von der Arbeit leben zu können. Insoweit ist es eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung, diese Voraussetzung unabhängig von Geschlechtszugehörigkeit, Alter und vor allem von Beziehungen zu ermöglichen und zu fördern.

Gastbeitrag: ArtExpert I network - Peter Merten, Kunst- und Kulturwissenschaftler*
Der Beitrag erscheint auch bei  KunstStücke by Dettmer I art projects

* Zuletzt wurden von Merten folgende Bücher bei ArtForum Editions I KulturPlusMedien (neu) herausgegeben:
- Geglaubte Wahrheiten. Beitrag zur Philosophie der Fotografie. Betrachtungen zum Werk des Konzeptkünstlers und Fotografen Heinz-Günter Mebusch, 2020
- KAIN - Prinzip des Bösen. 2019
- Magie der Malerei /oder/ Wie es ist, Du selbst zu sein. Heinz Zolper-Monografie 

Bestellung online unter: winterstiftung(at)web.de.

 

 

Zolper: Anregung nicht nur zum Weltfrauentag

Liebe und Respekt. Public-sculpture-project von Heinz Zolper

 

Weltfrauentag: Heinz Zolper, Liebe und Respekt. Dame-Skulptur vor Hamburger Rathaus, Entwurf

Weltfrauentag: (c) Heinz Zolper, Liebe und Respekt. Dame-Skulptur vor Hamburger Rathaus, Entwurf

Heinz Zolper hat erst vor kurzem in einem Symposium zu Feminismus und Genderdiskussion in Vorbereitung zum Weltfrauentag 2020  zum wiederholten Male  auf die Bedeutung eines ganzheitlichen sozialen Lebens aufmerksam gemacht und Dominanzen außerhalb eines sachlich und ethisch verantwortbaren Kontextes eine klare Absage erteilt. Autoritärer Herrschaftsanspruch und nahe folgend Unterdrückungsmechanismen dürfen in einer aufgeklärten Welt keinen Platz haben. Sie sind ein Anachronismus, der allerdings sehr deutlich macht, wie schlecht es im einzelnen um Bildung und das Sozialgefüge von Gesellschaften und Gruppen bestellt ist.

Selbstständige Teilhabe am gemeinsamen Leben     

Angesichts der weltweit - und insbesondere auch in weiten Bereichen der sog. westlichen Hemisphäre –  geringeren Chance für Frauen und weitere unterpräsentierte Gesellschaftsbereiche auf selbstständige Teilhabe am gemeinsamen Leben, ist es letztlich nicht damit getan, nur einzelne Frauen zu privilegieren durch in Aussicht gestellte Führungspositionen. Solange bestehende Systeme lediglich Figurenaustausch versprechen, eine Konsolidierung der biologischen und psychischen Erfordernisse und Ziele jedoch von scheinbar ohnmächtigen Bereichen außer acht lässt, bleibt die bisherige funktionale Ausrichtung unverändert. Deshalb sollten Quotenregelungen auch nur als eine Mindestforderung in Form von ungehinderten und direkt einforderbaren Rechten erfolgen; alles andere geht an den Interessen von Mädchen und Frauen, aber auch anderer benachteiligter Gruppen (wie Kindern oder Minderheiten) vorbei. Eine Besserung des Status quo kann nur im Hinblick auf eine Gleichstellung und durchsetzbare Rechte für alle erfolgen. Denn was nützt es einzelne Schaltfiguren auszutauschen, ein ungerechtes System jedoch zu erhalten. Respekt vor Frauen, aber generell Respekt vor der gesamten Schöpfung, braucht klare Regeln und sichtbare Zeichen der Mahnung und Erinnerung. Respekt kann aber auch nur da wirklich entstehen, wo Selbstvertrauen und ein Verständnis für die Notwendigkeit der Liebe sich entwickeln.  Dies setzt selbstverständlich einen Prozess des Lernens und Verstehens voraus – bei den Betroffenen als auch bei den Menschen, die dies böse oder unwissend zu verhindern wissen. Ein solcher Prozess benötigt gleichzeitig entsprechenden Raum und Sicherheit, sonst kann er sich nicht entwickeln. Um eine Polarisierung zu vermeiden gilt es gleichzeitig deutlich zu machen, dass tatsächliche oder vermeintliche Herrschaftsansprüche die Persönlichkeit des Ausübenden verkrüppeln und seine Chancen einer positiven Teilhabe am Leben generell mindern. Letztlich spielt es ja keine entscheidende Rolle ob männlich, weiblich oder kindlich - was zählt ist die Vielfalt des Lebens. Die Achtung und Respekt vor sich und dem Gegenüber sind Grundvoraussetzung für jedes soziale Miteinander und jedes nachhaltige Leben. Missachtung und Respektlosigkeit, egal durch wen, sind hingegen asozial. Die Verfolgung dieser Ziele geht nur über einen Paradigmenwechsel in den Köpfen aller, wenn wir möchten, dass unserer Verhalten endlich durch Liebe und Respekt geprägt werden. Dies schließt selbstverständlich die gesellschaftliche Ächtung von missachtenden oder gar missbräuchlichen Verhalten und Taten mit ein. Nur diese Grenzen müssen für alle adäquat gelten, ungeachtet vom Geschlecht und Alter; und sie sollten nicht vor den Wirtschaftsinteressen einzelner Halt machen und natürlich die Erde mit allen Geschöpfen einschließen.

Achtung dem Anderen und der Umwelt gegenüber   

Diese Ziele verfolgt der Künstler Heinz Zolper (*1949) seit nunmehr einem halben Jahrhundert.  Und er hat für seinen Diskurs eine anpassungsfähige Metapher geschaffen, das sogenannte „Dame“-Bildnis – das er als weithin sichtbares Zeichen stärker in den Blick der Öffentlichkeit rücken möchte. Wenn Zolper Liebe erhofft und Respekt einfordert, so vertraut er auf nichts anderes als einen Prozess in des Wortes wahrer Bedeutung.  ‚Wieder-Schau‘ als wörtliche Übersetzung des lateinischen respectio bezieht sich auf die wiederholte Betrachtung und gründliche Beurteilung eines neuen Eindrucks, um der Begrenztheit und Oberflächlichkeit des ersten Blickes zu entgehen. Erst ein ständig Hinterfragen eigenen Tun und unserer unmittelbaren Sichtweisen kann zur Anerkennung der Rechte des Anderen und damit zu Achtung dem Anderen und der Umwelt gegenüber führen. Wo Liebe und Respekt jedoch fehlen oder nicht genügend Beachtung finden, verlieren letztlich alle, ungeachtet der vermeintlichen Machtposition. Insoweit ist Zolpers „Dame“, nicht nur ein vielfältiges Zeichen des eingeforderten Respektes vor den Frauen, sondern ein Mahn- und Denkmal für die Unvollständigkeit des Menschen und für ein soziales Miteinander. Der Künstler, dessen Werk die Winter Stiftung seit vielen Jahren begleitet, möchte seine „Dame“-Skulpturen im öffentlichen Raum nicht nur als Mahnmal verstanden wissen, sondern mit ihnen als weit sichtbares Denk-mal zur Motivation anregen. 

Literaturhinweise:
Magie der Malerei/oder/ wie es ist, Du selbst zu sein, Monografie, 2019, ArtForum Editions
Kain - Prinzip es Bösen, 2019, ArtForum Editions
Zolper, Damen-Kult, Katalog Dettmer art projects, ArtForum Editions

Weblinks:
Homepage des Künstlers
Kunststücke by Dettmer | art projects

Vergleiche auch: Fragments from now. For an unfinished future, Bundeskunsthalle, Bonn, 20.03. - 03.05.2020

Feminismus- und Genderdiskussion

HEINZ ZOLPER: DAMEN - KULT

Damen-Kult. Heinz Zolper

(c) Heinz Zolper, Damen-Kult. Bundesbild V

Bereits die frühen Ideen des europäischen Feminismus proklamierten nichts anderes als die Menschenrechte. Scheinbar Selbstverständliches ist nicht nur in den mittelalterlichen Vorstellungen arabischer Kulturen ein schwarzes Loch, sondern auch in unseren modernen Gesellschaften oftmals nicht über die Feigenblattattidüde hinausgewachsen.  Ein Künstler, der sich eingehend mit dem Thema 'Freiheit und Recht' und ganz besonders mit 'weiblicher Freiheit' beschäftigt hat, ist Heinz Zolper. Mit seinem Zeichen der "Dame" wirkt er wie kaum ein anderer Künstler auf die Bewusstseinsmachung einer immer noch unerfüllten Notwendigkeit hin. Seine "Dame"- Bildnisse und Skulpturen stehen für eine geistige und gesellschaftliche Haltung, die seiner Kunst in Permanenz den Status der Avantgarde zusprechen darf.

Im Kunstsalon der Rechtsanwältin und Malerin Jana Dettmer, Dettmer art projects Köln,  wird in Zusammenarbeit mit der Winter Stiftung dieser besondere Aspekt in Zolpers Schaffen in einer Kabinettausstellung präsentiert.
Gezeigt werden Grafiken, Malerei und Skulpturentwürfe. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (15 EUR).

Vernissage Donnerstag, 30.01.2020, 18:30.
Ausstellung 30. Januar - 19. Februar 2020, verlängert bis zum 25. Februar 2020.

KunstStücke by Dettmer art projects. Stammheimer Straße 15 (Nähe Botanischer Garten), 50735  Köln 

 

Magie der Malerei

Heinz Zolper - Gemälde 1979 bis 2019

Zolper - GemäldeI Paintings - monograph (c)ArtForum Editions

Zolper - GemäldeI Paintings - monograph (c) Zolper I ArtForum Editions

Unter dem Titel „Heinz Zolper, Magie der Malerei /oder/ wie es ist, Du selbst zu sein“ ist bei ArtForum Editions eine Monografie mit Gemälden von 1979 – 2019 erschienen. Das Buch gibt es als Soft- und Hardcover-Ausgabe. Die Erstauflage ist nummeriert und signiert. Den ersten 50 Exemplaren liegt  eine unikatäre Grafik des Künstlers bei. Buch mit Grafik sind erhältlich im Kunstbuchhandel oder bei der Winter Stiftung Hamburg, die die Herausgabe dieser Publikation mitgefördert hat. Der Künstler, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wurde, ist bereits mit mehreren Gemälden in der Sammlung der Winter Stiftung vertreten.
Heinz Zolper, einzigartiger künstlerischer Partner von so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Milva, Udo Kier, Mae West, Russ Meyer, Rainer Fassbender und Andy Warhol, ist ein namhafter figuraler Maler und crossover-Künstler. Typisch für seine künstlerische Aussage ist eine philosophische Herangehensweise mit humoristischen Elementen und historischen Referenzen.
Bekannt wurde er als Schöpfer des „Dame“-Kultes. Die Dame, als emblematisches Zeichen stilistisch angelehnt an Matisse wie auch an Warhols Marilyn Portraits, ist oft wiederkehrendes Element seiner Gemälde, Grafiken und Skulpturen.  Mit dieser Figur setzt er bereits früh eine Landmark für die Bedeutung der Frau und der Gleichberechtigung der Geschlechter.

 

Prinzip des Bösen

(c)Heinz Zolper - Prinzip des Bösen. Der Betrachter - Austellungsansicht

(c) Heinz Zolper - Prinzip des Bösen. Der Betrachter - Ausstellungsansicht

Buchveröffentlichung zur Werkreihe "KAIN" von Heinz Zolper

In der beispiellosen Veröffentlichung "Kain - Prinzip des Bösen" gehen der Autor Orestis Safiriou und der Maler Heinz Zolper der Frage nach, wie das Böse überhaupt zustande kommt und welche Bedeutung wir ihm zumessen können. Das vorliegende Buch basiert auf einer gemeinsamen Idee, die auf Diskussionen seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zurückgeht. Möglich wurde die Herausgabe durch die aktualisierte Neubearbeitung durch die Verwendung von Texten des Autors, die seit Ende der 90er Jahre im Artforum Archiv bewahrt werden. Der Künstler Heinz Zolper, zu dessen 70.Geburtstag das Buch in limitierter Auflage mit beigelegten unikatären Grafiken erscheint, widmet sich weiterhin dem Thema in meist großformatigen Werken. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum das Böse und vor allem das Böse dynamisierte Kräfte sind, das Gute aber dennoch meist nur in einer statichen Position verbleibt.  Beide verfolgen diese Frage nach dem Prinzip des Bösen auf unterschiedliche Weise und gewähren intellektuelle und emotionale Einblicke in ein System, dem wir als Individuum und als Gesellschaft nicht entkommen können. In diesem Sinne ermutigen sie uns, eine Position einzunehmen. Sie regen Fragen an, die nicht nur unser persönliches Leben auf die Probe stellen, sondern auch anregen zum Nachdenken über die weitreichenden Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und deren Nutzen für Mensch und Natur.

Heinz Zolper, Einzelgänger und künstlerischer Partner von so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Milva, Udo Kier, Mae West, Russ Meyer, Rainer Fassender oder Andy Warhol, ist ein bedeutender figürlicher Maler und Crossover-Künstler seiner Generation. Typisch für die Kunst von Zolper ist ein hoher philosophischer Anspruch und stilistisch eine Mischung verschiedener Motive mit humoristischen Elementen und historischen Bezügen. Bereits zuvor erschien anläßlich des diesjährigen Jubiläums vom selben Autor der Band "Zolper. Magie der Malerei /oder/ Wie es ist, Du selbst zu sein. Gemälde I Paintings". Beide Veröffentlichungen erschienen bei ArtForum Editions, die auch das grafische Werk des Künstlers herausgibt. Die Veröffentlichungen erfolgen mit Unterstützung der Winter Stiftung.

Die Bücher sind erhältlich über den Kunstbuchhandel oder auf Anfrage unter winterstiftung(at)web.de .